Die Böden in Essen erzählen eine geologische Geschichte, die von Bauherren oft erst auf den zweiten Blick verstanden wird. Während die lehmigen Auflagen in den südlichen Stadtteilen wie Werden oder Bredeney relativ berechenbar bleiben, überraschen die tonig-schluffigen Ablagerungen im Norden – etwa in Karnap oder Altenessen – regelmäßig mit stark abweichenden Konsistenzverhalten. Der springende Punkt ist fast immer das Wasserbindevermögen der bindigen Fraktionen. Genau hier setzt die Bestimmung der Atterberg-Grenzen an. Wir analysieren Fließgrenze und Ausrollgrenze im akkreditierten Labor, um das Verformungspotenzial des Baugrunds realitätsnah einzuschätzen. Wenn die Ergebnisse auffällige Plastizitätszahlen zeigen, empfehlen wir vorab eine Korngrößenanalyse im Sieb- und Schlämmanalysen-Verfahren, um den Feinkornanteil exakt zu quantifizieren. Nur mit diesem Wissen lässt sich beurteilen, ob der anstehende Boden als Baugrund taugt oder gezielt ausgetauscht werden muss.
Die Plastizitätszahl allein entscheidet in Essen oft über die Wahl zwischen Polsterfundament und tiefreichendem Bodenaustausch.
Leistungsmerkmale in Essen

Typische technische Herausforderungen in Essen
Essen liegt zu großen Teilen im Einwirkungsbereich des historischen Steinkohlebergbaus. Mit Höhenlagen zwischen 42 m ü. NHN an der Ruhr und 204 m ü. NHN in Heidhausen, kombiniert mit jahrzehntelangen Bodenbewegungen durch Grubenwasseranstieg, sind Setzungsdifferenzen ein ernstzunehmendes Risiko. Die Atterberg-Grenzen zeigen uns, ob ein bindiger Boden bei Wassergehaltsänderung schrumpft oder quillt – beides Mechanismen, die in Bergsenkungsgebieten zusätzliche Zwängungen in Fundamentplatten erzeugen. Ein Boden mit hoher Plastizitätszahl IP > 20 wirkt wie ein Puffer: er nimmt Wasser auf, dehnt sich, trocknet aus und reißt. Diese Volumenänderungen summieren sich über Jahre zu Zentimeterbeträgen. Ohne belastbare Atterberg-Werte ist die Gefahr groß, dass ein Gründungsgutachter die Interaktion zwischen saisonaler Austrocknung und bergbaubedingter Muldenlage unterschätzt und die Baukonstruktion später teuer ertüchtigt werden muss.
Unsere Leistungen
Unsere Laborleistungen im Bereich Atterberg-Grenzen sind in folgende Prüfmodule gegliedert, die je nach Fragestellung einzeln oder als Paket beauftragt werden.
Standardbestimmung nach DIN 18122
Fließgrenze mit Casagrande-Gerät und Ausrollgrenze manuell. Inkl. Wassergehaltsbestimmung nach Ofentrocknung. Geeignet für Routineuntersuchungen bei Einfamilienhausgründungen und Baugrundgutachten.
Erweiterte Plastizitätskarte mit Zustandsbewertung
Eintragung in die Plastizitätskarte nach Casagrande (Sand-Ton-Schluff-Diagramm) plus Berechnung von Konsistenzzahl IC und Aktivitätszahl nach Skempton. Liefert die Basis für die Baugrundklassifikation nach DIN 18196.
Kombipaket Atterberg + Korngrößenverteilung
Parallelbestimmung von Fließ-/Ausrollgrenze und Sieblinie durch Nasssiebung und Sedimentation. Empfohlen bei heterogenen Auffüllungen und zur exakten Bestimmung der Bodengruppe im Sinne der Tragschichtbemessung.
Häufige Fragen
Was kosten die Atterberg-Grenzen im Labor?
Für eine Einzelprobe liegen die Kosten zwischen 70 und 100 Euro, abhängig vom Aufbereitungsaufwand und ob die Schrumpfgrenze zusätzlich bestimmt wird. Bei Serien ab 5 Proben gewähren wir gestaffelte Rabatte.
Warum reicht die Fingerprobe auf der Baustelle nicht aus?
Die manuelle Konsistenzansprache nach DIN EN ISO 14688 gibt eine erste Orientierung, ersetzt aber keine quantitativen Grenzen. Gerade bei schluffigen Böden im Essener Norden täuscht die Fingerprobe oft eine höhere Festigkeit vor, als nach Wasseraufnahme tatsächlich vorhanden ist. Nur die Atterberg-Grenzen liefern reproduzierbare Zahlen für die statische Bemessung.
Welche Bodenmenge wird für die Prüfung benötigt?
Wir benötigen mindestens 200 Gramm Feinkorn (< 0,4 mm) je Probe. In der Praxis heißt das: etwa 500 g aus der Sondier- oder Schurfgrobe, da der Grobanteil vorher abgesiebt wird. Die Proben sollten in luftdichten Beuteln verpackt sein, damit der natürliche Wassergehalt nicht verloren geht.
Wie schnell liegen die Ergebnisse vor?
Die reine Laborarbeit dauert 1 bis 2 Tage. Mit Probentrocknung, Aufbereitung und Berichterstellung rechnen Sie mit 3 bis 4 Werktagen. Bei Eilbedarf bieten wir einen 24-Stunden-Express an, der vorab telefonisch abgestimmt werden muss.