Essens städtebauliche Entwicklung, vom industriellen Ballungsraum der Krupp-Ära bis zur modernen Grünen Hauptstadt Europas 2017, hat eine heterogene Untergrundsituation hinterlassen: gewachsene Lösslehme, künstliche Auffüllungen aus Bergematerial und quartäre Kiessande der Ruhrterrassen prägen den Baugrund. Wer heute im Essener Süden ein Wohnquartier verdichtet oder im Norden eine Gewerbefläche auf altindustriellem Gelände erschließt, braucht belastbare Kennwerte zur Verdichtbarkeit. Der Proctor-Versuch nach DIN 18127 liefert genau das: die Beziehung zwischen Wassergehalt und Trockendichte eines Bodens bei definierter Verdichtungsarbeit. In einem Stadtgebiet, wo der Boden oft schon mehrfach umgelagert wurde, ist die Kenntnis der Proctordichte keine Formsache, sondern eine zentrale Planungsgröße. Ergänzend zu den klassischen Feldversuchen hilft eine Korngrößenanalyse, die Verdichtungsfähigkeit des anstehenden Materials bereits im Vorfeld einzuschätzen.
Die Proctordichte ist die wohl meistgenutzte Referenzgröße im Erdbau: Sie definiert, wann ein Boden als ausreichend verdichtet gilt und wann Nacharbeit zwingend erforderlich ist.
Leistungsmerkmale in Essen

Typische technische Herausforderungen in Essen
Essen liegt auf einer Höhe zwischen 26 und 202 Metern über NHN, mit einem stark reliefierten Gelände, das von den Ruhrhängen bis zu den flachen Emscherniederungen reicht. Die jährliche Niederschlagsmenge von rund 930 Millimetern sorgt dafür, dass bindige Böden oft weit über dem optimalen Wassergehalt liegen, was eine Verdichtung massiv erschwert. Ein Proctor-Versuch, der nicht am tatsächlich anstehenden Material durchgeführt wird, sondern mit veralteten Referenzwerten arbeitet, produziert Sollwerte, die auf der Baustelle unerreichbar sind. Die Folge: Tragfähigkeitsprobleme, Setzungen und im schlimmsten Fall Nachverdichtungen mit erheblichem Zeitverzug. Besonders kritisch ist dies bei den in Essen häufigen Auffüllungen aus Bergematerial, deren Proctoreigenschaften je nach Zersetzungsgrad des Nebengesteins stark schwanken. Ein ungeeigneter Verdichtungsgrad gefährdet hier nicht nur die Standsicherheit, sondern auch die Dichtigkeit von Oberflächenabdichtungen auf Altlastenflächen.
Unsere Leistungen
Unser Leistungsspektrum rund um die Verdichtungskontrolle deckt die gesamte Kette von der Probenahme bis zum Prüfbericht ab:
Proctor-Versuch (Normal)
Bestimmung der Proctordichte und des optimalen Wassergehalts nach DIN 18127 mit 2,5 kg Fallgewicht. Üblich für den klassischen Erdbau und die Verdichtung bindiger bis gemischtkörniger Böden.
Modifizierter Proctor-Versuch
Erhöhte Verdichtungsarbeit mit 4,5 kg Fallgewicht und fünf Schichten. Notwendig für hochverdichtete Tragschichten im Straßenbau oder bei Anforderungen an erhöhte Lagerungsdichte.
Verdichtungsgradbestimmung (DPr)
Feldbegleitende Dichtebestimmung mittels Sandersatzverfahren oder densitometrischer Messung, bezogen auf die labortechnisch ermittelte Proctordichte. Inklusive Auswertung des Verdichtungsgrads DPr in Prozent.
Häufige Fragen
Wann benötige ich den modifizierten statt des normalen Proctor-Versuchs?
Der modifizierte Proctor-Versuch kommt immer dann zum Einsatz, wenn das Bauwerk höhere Verdichtungsgrade erfordert als der Standard-Erdbau. Typische Anwendungsfälle sind Tragschichten im Straßen- und Wegebau, hochbelastete Gründungspolster oder die Verdichtung von grobkörnigen Böden mit hohem Schotteranteil. In Essen ist dies besonders bei der Erschließung von Gewerbeflächen auf ehemaligen Zechengeländen relevant, wo oft stark verdichtete Tragschichten unter Hallenböden gefordert werden.
Welche Bodenarten sind für einen Proctor-Versuch geeignet?
Der Proctor-Versuch nach DIN 18127 ist für alle bindigen und gemischtkörnigen Böden bis zu einem Größtkorn von 63 Millimetern geeignet. Für gröbere Materialien, etwa Schottergemische, kommt der große Proctortopf mit 250 Millimetern Durchmesser zum Einsatz. Reine Sande und Kiese lassen sich proctortechnisch nur eingeschränkt bewerten, da sie keine ausgeprägte Proctorkurve mit klarem Maximum ausbilden. Hier nutzen wir ergänzend die SPT-Bohrung, um die Lagerungsdichte direkt im Feld zu bestimmen.
Was kostet ein Proctor-Versuch im Raum Essen?
Ein einzelner Proctor-Versuch (Normal oder Modifiziert) liegt je nach Probenumfang und Aufbereitungsaufwand zwischen €100 und €210. Bei mehreren Proben oder einer Serienuntersuchung mit begleitender Korngrößenanalyse lassen sich die Kosten pro Versuch reduzieren. Der genaue Preis richtet sich nach dem Größtkorn, dem Anteil an Überkorn und der Frage, ob das Material vorher getrocknet und aufbereitet werden muss.
Wie lange dauert ein Proctor-Versuch im Labor?
Die reine Versuchsdurchführung nimmt etwa einen halben Arbeitstag in Anspruch. Da der Boden jedoch ofentrocken aufbereitet werden muss und die Proben gestaffelt mit definiertem Wassergehalt angesetzt werden, beträgt die übliche Bearbeitungszeit im Labor ein bis zwei Werktage. Bei dringenden Projekten im Raum Essen bieten wir einen Express-Service an, bei dem das Ergebnis innerhalb von 24 Stunden vorliegt.